Mehrsprachige Schule: Spracherwerb und gesamtsprachliche Bildung

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Ziele & Inhalt

Sprachen sind in der Schule nicht nur Gegenstand, sondern auch Medium des Lernens in verschiedenen Fächern. Dazu kommt, dass die Unterrichtsrealität heute durch mehrsprachige Schüler:innen geprägt wird, nicht nur in Österreich. Aufgrund ihrer familiären Situation und bisherigen Schulerfahrungen verfügen sie über unterschiedlich beschaffene sprachliche Ressourcen, die auch dialektale Varietäten einschließen können (innere Mehrsprachigkeit). Im Sinne des Auf- und Ausbaus von mehrsprachigen Repertoires sollen diese individuellen Dispositionen von Schüler:innen sowohl in sprachlich-kultureller als auch in leistungsbedingter Hinsicht valorisiert und zusammengeführt und Ansätze zur gesamtsprachlichen Bildung weiterentwickelt werden.

Ziel der sprachenübergreifenden Kooperation ist es daher, Spracherwerbskonzepte, die sich auf rezente Ergebnisse der Mehrsprachigkeitsforschung stützen, für unterrichtsmethodische Verfahren fruchtbar zu machen. Dabei schafft das Verständnis von kommunikativer Kompetenz als reflektiertes Sprachhandeln in einer vielsprachigen und globalisierten Welt eine Verbindung zur Mehrsprachigkeit. Einem emanzipatorischen Bildungsbegriff folgend soll Lernenden die Teilhabe an einer Fülle von sozialen Handlungsräumen sowie die ganzheitliche Weiterentwicklung ihrer sprachlich-kulturellen Identität ermöglicht werden. Es geht darum, das gesamtsprachliche Repertoire der Schüler:innen evidenzbasiert voranzutreiben und dabei die Wirkkraft von Sprachkompetenz auf den verschiedenen Ebenen (Bildungserfolge, Identitätsentwicklung, soziale Erwartungen usw.) gleichermaßen miteinzubeziehen (Schwerpunkt 1).

Da angehende Lehrer:innen häufig (noch) nicht ausreichend mit Voraussetzungen und Prozessen des Spracherwerbs und mehrsprachigkeitsorientierten Verfahren vertraut sind, ist auch die empirische Erforschung lehrseitiger Kompetenzen, die ungeachtet der fachlichen Verankerung für die gesamtsprachliche Entwicklung der Schüler:innen notwendig sind, ein zentrales Thema. In der Aus- und Fortbildung wollen wir (angehenden) Lehrer:innen daher keine einfachen Lösungen, sondern einen kritisch-reflektierten und innovativen Umgang mit sprachlicher Heterogenität vermitteln. Lerngelegenheiten, die den Aufbau eigener Mehrsprachigkeitskompetenz und sprachförderlichen Lehrendenhandelns ermöglichen, werden dabei an spracherwerbstheoretische und mehrsprachigkeitsdidaktische Inhalte gekoppelt (Schwerpunkt 2).

Schließlich braucht es auch empirische Unterrichtsforschung zur Wirksamkeit didaktischer Konzepte im Kontext schulischer Mehrsprachigkeit und zwar in Bezug auf alle Teilkompetenzen, an denen Unterrichtserfolg heute festgemacht wird. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, in konkreten Schul- und Unterrichtskontexten sprach- und mehrsprachigkeitsdidaktische Konzepte im Sinne eines Design-Based-Research Ansatzes zu erproben, empirisch zu untersuchen und weiterzuentwickeln (Schwerpunkt 3).

Auswahlpublikationen

  • Ender, Andrea, Esa Christine Hartmann, Catherine Jordan, Irmtraud Kaiser, Tanja Rinker & Michaela Rückl (2024): Sprache Macht Europa: Theoretische Fundierung und praktische Umsetzung eines Fortbildungskonzepts für Lehrkräfte im Kontext grenzüberschreitender Mehrsprachigkeit. In: Geiger-Jaillet, Anemone & Esa Christine Hartmann (Hrsg.): Grenzenlose mehrsprachig. Éducation et formation par-delà les frontières. Strasbourg: Éditions De Bonne Heure, 221-251.
  • Rückl, Michaela (2024): Teaching and learning materials fostering plurilingualism. In: Christiane Fäcke, Andy Gao, Paula Garrett-Rucks (Hrsg.), Handbook of Intercultural and Plurilingual Language Learning. Oxford: Wiley & Blackwell.
  • Pribyl-Resch, Cordula, Eugen Unterberger, Irmtraud Kaiser & Andrea Ender (2023). Sprachliche Vielfalt im Deutschunterricht betrachten, untersuchen und reflektieren. In: Stefan Hauser & Alexandra Schiesser (Hrsg.), Standarddeutsch und Dialekt in der Schule. Bern: hep
    (= Mündlichkeit; 7), 175-204.
  • Kainhofer, Judith & Michaela Rückl (Hrsg.) (2022): Sprache(n) in pädagogischen Settings. (Sprache im Kontext). Berlin/Boston: De Gruyter.
     https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110784756/html.
  • Koch, Corinna & Michaela Rückl (Hrsg.) (2022), Au carrefour de langues et de cultures: Mehrsprachigkeit und Mehrkulturalität im Französischunterricht (Französischdidaktik im Dialog). Stuttgart: Ibidem.